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  • Liebe Freunde,
    wer von uns Bienenkistenimkern möchte bestreiten, dass wir Bienenhaltung
    mittels antiquarischer Haltungsform betreiben, und dies in unserer heutigen doch so modernen Zeit.
    Um zum Thema hin zu führen möchte ich kurz anreißen, dass wir uns mit Liebe
    einer Tiergattung zuwenden, die, hätte sich der Mensch nicht mit großer
    Intensität und großem Erfindergeist um deren Wohlergehen gewidmet, längst wie andere Gattungen auch von unserer Erde verschwunden wäre. Die Imkerei
    ist mit eines der wenigen sinnigen Tätigkeiten, die die Menschheit bis heute beibehalten hat.
    Über Jahrtausende hinweg hat sich die Nutzungs- und Haltungsform der Honigbienen immer wieder verändert. Vieles wurde erfunden, verworfen, wiedererfunden oder wiederentdeckt. Wie unsere Bienenkiste, die verschwunden, wiederentdeckt und gar von der heutigen Imkerschaft erstaunlicherweise als etwas Neues wahrgenommen wird.
    Dabei war sie schon ausgestorben, wie die Dinosaurier!

    Nicht nur die Bienenkiste selbst entspricht so gar nicht einer modernen Imkerei, sondern auch die Bienenhaltung in ihr selbst.

    Heutige Imker empfehlen einem Neuling, nicht mit einem Schwarm, sondern
    mit einem Muttervolk zu beginnen. Dies hat gute und nachvollziehbare Gründe. Demjenigen aber, der mit der Bienenkiste zu imkern beginnt wird
    das Gegenteil empfohlen: mit einem Naturschwarm zu starten.
    Beginnt man seine Bienenhaltung mit einem Naturschwarm, so wird man unter
    Umständen direkt vor schwierige Aufgaben gestellt.

    Nun ist aber die moderne Imkerpraxis der letzten Jahrzehnte nicht mehr auf
    Naturschwärme, deren Probleme und Problembehandlung eingestellt. Diese Tatsache spiegelt sich auch in der modernen Imkerliteratur wieder. Über Problembehandlung findet der Neuimker dort so gut wie gar nichts. Ich möchte dazu das sicherlich sehr interessante Buch von Jürgen Tautz "Phänomen Honigbiene" anführen, das uns zwar ungewohnte Einblicke ins
    Wesen des Biens ermöglicht, ebenso wie die neuesten Erkenntnisse aus
    dem HOBOS-Projekt. Praktische Hilfen habe ich aus diesen top modernen Forschungsprojekten aber nicht erfahren. Was u. a. daran liegen könnte, dass derartige Forschungen nicht im Interesse des Praktikers durchgeführt werden, sondern für die Forschenden selbst, deren Geldgeber und bestimmte Konzerne.

    Betrachten wir die Bienenkiste als die uns gegebene und uns interessierende Beutenform so müssen wir feststellen, dass dieses Projekt
    eher in das Zeitalter der Vorindustrialisierung passt, als in unsere heutige hochtechnisierte Zeit. Wollen wir praktische Hilfen für unsere
    Bienenhaltung finden, so müssen wir uns Quellen aus der Zeit unserer Vorfahren erschließen. Gottseidank gab es findige Menschen, die einige der längst verschollenen frühen Werke der Imkerei in Archiven wiederfanden und für uns zugänglich machten. In diesen Werken finden wir Antworten auf unsere heutigen Probleme. Die damaligen Praktiker legen für uns nachvollziehbar die Vorteile verschiedener Haltungsformen, Anwendungspraktiken, ihr Vor- und Nachteile und ihre Fehler dar. Daraus können wir für den Umgang mit der Bienenkiste meiner Meinung nach sehr viel lernen.

    Ich möchte aber noch einen Umstand der Bienenkiste ansprechen, der leicht
    übersehen wird: So schön sich der Slogan " Bienenhaltung einfach und natürlich " anhört, so schwierig ist es im Umkehrschluss jedoch für den Anfänger zu verstehen, was genau im Innern der Beute passiert.
    Im Gegensatz zur Magazinbeute ist die Bienenkiste für den Neuling mehr oder weniger ein verschlossenes Buch. Wir sollen und brauchen - nach dem Konzept von EMK - die Kiste selbst nur wenige Male im Jahr zu öffnen. Wirklich sehen, was im Innern vorgeht, wird der Anfänger nicht.

    Das Forum ist voll mit Fragen um die Vorgänge im Bienenvolk. Wie will man
    dort antworten, wenn man nicht genau über die Vorgänge im Volk Bescheid
    weiß und Praktiken kennt, die im Einzelfall bei der Problembehandlung
    erfolgversprechend sind.

    Eines habe ich aus meiner bisherigen Imkerpraxis mit der Bienenkiste gelernt: Es reicht nicht aus, sich eine Bienenkiste anzuschaffen und mit
    Bienen anzufangen. Je weniger wir ins Volk schauen können, um so mehr
    müssen wir uns theoretische Kenntnisse aneignen. Nur so können wir
    die erforderlichen Rückschlüsse ziehen, was notwendigerweise bei aufkommenden Problemen zu tun ist.

    Meine Erfahrung zeigt, dass diejenigen, die nur eine Bienenkiste anschaffen und halten möchten, es um ein Vielfaches schwieriger haben, als diejenigen mit zwei oder drei Kisten. Ich kann aus meiner Erfahrung jedem
    an der Bienenkiste Interessierten mit gutem Grunde empfehlen, sich nicht
    nur ein Volk zu halten. Denn dies eine Volk wird immer ein Lotteriespiel
    sein. Wenn dieses eine Volk versagt (zu Grunde geht) dann ist es mit der
    Lust und Freude an der Bienenhaltung ganz schnell vorbei.
    Ich möchte jeden Imkerneuling ermuntern, sich mindestens zwei, besser noch
    drei Völker anzuschaffen und sich eines davon als Anschauungsobjekt
    herauszupicken. Das Volk zu öffnen, wann und so oft es ihm beliebt und
    es dabei zu untersuchen.
    Das braucht man nicht lange zu tun, denn spätestens im dritten Jahr
    wird man auf dieses viele Öffnen verzichten können, weil man bis dahin
    weiß, was im Innern der Kiste vor sich geht. Das dabei gewonnene Wissen, die eigenen Erfahrungen, verbunden mit gesteigertem Interesse am Lesen
    wird dem Neuling die Sicherheit bringen,

    mit diesem antiquarischen Gegenstand Bienenkiste

    mit viel Freude und Muße und der gebotenen restriktiven Behandlung seine Bienenhaltung zu betreiben.


    Mit dieser ungewöhnlich langen Einführung ins Thema möchte ich einen Teil meiner Gedankenwelt um meine Bienenhaltung mit der Bienenkiste wiedergeben und aufzeigen, warum ich für mich persönlich in diesem Zusammenhang die
    Beschäftigung mit alter Imkerliteratur für bedeutend und sehr hilfreich halte.

    Die Diskussion zum Thema ist hiermit eröffnet. Viel Spaß.

    gruss bf















    [Hinweis: bienenflug hat den Beitrag zuletzt am vor 4 Jahren, 3 Monaten geändert.]
      Abyssus abyssum invocat
    • Moin bf!

      Nette "Geschichte" oder netten "Diskussionsanstoß" hast Du hier aufgeschrieben.
      Dann will ich mal meinen Senf dazu abladen.

      "wer von uns Bienenkistenimkern möchte bestreiten, dass wir Bienenhaltung mittels antiquarischer Haltungsform betreiben, und dies in unserer heutigen doch so modernen Zeit."

      Ich!
      Wir müssen gerade in unsere auf Produktivität ausgerichteten Zeit wieder zur Natur zurückkommen und das tuen wir, indem wir uns eben explizit von diesen Honigproduzenten mit Magazinkästen absetzen.
      Vielleicht eine kurze Anekdote aus meinem Imkerkurs. Auf die Frage, warum die Teilnehmer den Kurs machen, antworteten wenigstens 90% eher mehr, dass sie Naturbeobachten wollen und Bestäubung für Ihren Garten. Wenn ein wenig Honig abfällt wäre das nett, aber verkaufen wollte keiner. Am Ende des Kurses hatten fast alle mehr als ein "Wirtschaftsvolk" und nach der ersten Saison saßen die dann auf zig Duzend Kilogramm Honig und wusste nicht, wohin damit. Zudem hatten alle relativ teure Geräte, die auch noch den halben Keller oder gar die Küche blockieren. Also eigentlich haben alle ihr gestecktes Ziel vollkommen verfehlt.
      Aber zurück, die Kiste mag ein antiquarisches Vorbild haben, aber sie passt sehr gut in unsere schnelllebige Zeit, wenn man sich die Anleitung von EMK zu Herzen nimmt und eben nicht produzieren will, sondern "nur" die Natur im Garten oder auf dem Balkon haben will.

      "Um zum Thema hin zu führen möchte ich kurz anreißen, dass wir uns mit Liebe einer Tiergattung zuwenden, die, hätte sich der Mensch nicht mit großer Intensität und großem Erfindergeist um deren Wohlergehen gewidmet, längst wie andere Gattungen auch von unserer Erde verschwunden wäre."

      Wie kommst Du darauf? Es hält kein Mensch Wildbienen und Hummeln und die gibt es auch noch. Wenn der Mensch keine Imkerei betreiben würde, hätten wir vermutlich keine Varroa und damit wäre der "Haupt-Aussterbegrund" weg.

      "Über Jahrtausende hinweg hat sich die Nutzungs- und Haltungsform der Honigbienen immer wieder verändert. Vieles wurde erfunden, verworfen, wiedererfunden oder wiederentdeckt. Wie unsere Bienenkiste, die verschwunden, wiederentdeckt und gar von der heutigen Imkerschaft erstaunlicherweise als etwas Neues wahrgenommen wird. Dabei war sie schon ausgestorben, wie die Dinosaurier!"

      Ja, aber Du musst auch den Grund nenne, warum alte Beutensysteme "ausgestorben" waren. Der Fokus des Imkers in der Zeit, als man sich z.B. vom Krainer Bauernstock abwendete, war erwerbsorientiert. Der Imker musste sich und seine Familie mit dem Erlös ernähren! Wenn man da mit komplizierten Techniken wenig Ertrag schafft, verändert man die Technik, dass die Arbeit erleichtert wird und der Ertrag steigt. Wir jedoch wollen keinen großen Ertrag, sondern Bienen als Haustiere halten. Darum ist die alte Haltungsweise für uns gerade sehr attraktiv. Es ist eben nicht unser Ziel, Profit zu machen und "im Honig zu versinken".

      "Nicht nur die Bienenkiste selbst entspricht so gar nicht einer modernen Imkerei, sondern auch die Bienenhaltung in ihr selbst."

      Sie oben, das ist nicht das Ziel des BK-Imkers. Wenn es das Ziel sein soll, ist natürlich die Beute ungeeignet und man wird umschwenken.

      "Heutige Imker empfehlen einem Neuling, nicht mit einem Schwarm, sondern mit einem Muttervolk zu beginnen. Dies hat gute und nachvollziehbare Gründe."

      Der einzige nachvollziehbare Grund ist, dass der "Profi-Imker" sich nicht vorstellen kann, dass man Bienen "aus Spaß an der Freude" halten will. Er hat immer die Sichtweise des Massenproduzenten!

      "Betrachten wir die Bienenkiste als die uns gegebene und uns interessierende Beutenform so müssen wir feststellen, dass dieses Projekt eher in das Zeitalter der Vorindustrialisierung passt, als in unsere heutige hochtechnisierte Zeit. Wollen wir praktische Hilfen für unsere Bienenhaltung finden, so müssen wir uns Quellen aus der Zeit unserer Vorfahren erschließen."

      NEIN! Wir wollen zurück zur Natur. Okay, wenn das bedeutet, dass ich nach der hochtechnisierten Arbeit zurück in die vorindustrielle Zeit gehe, dann hast Du vielleicht recht. Aber gerade das ist der Sinn hinter der Bienenkisten-Bienenhaltung. Ich will raus aus dem modernen Produktionshamsterrad! Und Hilfe, Anleitung oder auch praktische Beispiele, dafür gibt es eben genau die Bücher von EMK und dieses Netzwerk.

      "Gottseidank gab es findige Menschen, die einige der längst verschollenen frühen Werke der Imkerei in Archiven wiederfanden und für uns zugänglich machten. In diesen Werken finden wir Antworten auf unsere heutigen Probleme. Die damaligen Praktiker legen für uns nachvollziehbar die Vorteile verschiedener Haltungsformen, Anwendungspraktiken, ihr Vor- und Nachteile und ihre Fehler dar. Daraus können wir im Umgang mit der Bienenkiste meiner Meinung nach sehr viel lernen."

      Und genau da gehen unsere Meinungen noch weiter auseinander. Man muss sich bei einer Haltungsform auf genau diese eine beschränken und kann nicht "irgendwas von Beute A" und "irgendwas von Beute B" nehmen und es dann auch noch erfolgreich auf Beute C übertragen und anwenden. Ich denke, die Systeme sind jeweils nur individuell zu betrachten. Der schwierigste Punkt ist aber, dass wir es mit extrem veränderten klimatischen Bedingungen zu tun haben. Es ist einfach Fakt, dass wir bereits deutlich oberhalb von 1 Grad Erwärmung in der Durchschnittstemperatur liegen. Dies klingt zwar nicht nach viel, aber es führt eben z.B. schon zu einer extremen Häufung von scheinbaren Verschiebungen von Jahreszeiten oder dem Ausbleiben von kalter, winterlicher Witterung in einigen Regionen. Es ist sicherlich nur noch die Frage von wenigen Jahrzehnten, bis wir in Mitteleuropa das Klima des Mittelmeerraumes erreichen. Und zwar das Mittelmeerklima, das dort geherscht hat, als die angesprochene antiquierte Literatur verfasst wurde. Demnach müsstest Du eher in Mittelmeer-Imker-Literatur stöbern, um potnezielle Hilfeansätze zu finden. Aber auch sonst haben sich die Umweltbedingungen einfach zu drastisch verändert. Die Monokulturen gab es zu den Zeiten, als dieses alten Bücher verfasst wurden noch nicht oder nur selten. Damit sind aber schon die Grundvoraussetzungen für eine Übertragung der alten Daten auf heute nicht gegeben.

      "Ich möchte aber noch einen Umstand der Bienenkiste ansprechen, der leicht übersehen wird: So schön sich der Slogan "Bienenhaltung einfach und natürlich" anhört, so schwierig ist es im Umkehrschluss jedoch für den Anfänger zu verstehen, was genau im Innern der Beute passiert."

      Warum muss man bei lebenden Wesen immer hineinschauen müssen. Heute interessiert sich (leider) kein Schwein mehr, wie ein Computer funktioniert und wie er innen drin ausschaut. Auch durch die Kenntnis könnte man eine Menge lernen. Aber bei Bienen muss man plötzlich sehen, wie Stifte und Maden und Puppen aussehen. Warum? Wieso kann man die Bienenkiste nicht auch einfach als "Black-box" betrachten und sich einfach an die Anleitung halten. Wieso wird ein funktionierendes Konzept ständig hinterfragt? Die Natur funktioniert seit zig Millionen Jahren, und jetzt muss man plötzlich verstehen, wieso die Bienen so sind, wie sie sind? Wenn dies das Ziel ist, okay, falsches Beutensystem. Dann bitte Magazine fahren und im Honig ertrinken. Wenn Du schon ständig auf alter Literatur rumreitest, dann maximal die Kombination von EMK's-Anleitung und den Stroch'chen Fluglochbeobachtungen. Die benötigen keinen Eingriff und reichen völlig aus.

      "Im Gegensatz zur Magazinbeute ist die Bienenkiste für den Neuling mehr oder weniger ein verschlossenes Buch."

      Ja, und genau das ist der Sinn der BiKi. Es soll einfach sein und man soll sich nicht mit Wachszyklen und Drohnenausschneiden und Königinnen tauschen auseinandersetzen müssen. Wer das will, okay, der nimmt ein Magazin und...

      "Wir sollen und brauchen - nach dem Konzept von EMK - die Kiste selbst nur wenige Male im Jahr zu öffnen. Wirklich sehen, was im Innern vorgeht, wird der Anfänger nicht."

      Das soll er ja auch nichtß Dazu kann man dann wirklich auf moderne Literatur zurückgreifen. Die BiKi benötigt keine gaffenden und sabbernden Bienen-Big-Brother-Schmalkost-Fernseh-Zuschauer!

      "Das Forum ist voll mit Fragen um die Vorgänge im Bienenvolk. Wie will man dort antworten, wenn man nicht genau über die Vorgänge im Volk Bescheid weiß und Praktiken kennt, die im Einzelfall bei der Problembehandlung erfolgversprechend sind."

      Naja, also viele Fragen zeigen, dass die Anleitung nicht gelesen oder verstanden wurde. Z.B. zu spät oder zu wenig im Herbst aufgefüttert. Wenn es aber schon an Grundlagen fehlt, nützt auch der Einblick in die Vorgänge der Natur nichts. Dann muss man die Probleme der Evolution überlassen, denn die wird auch noch nach der Menschheit die Verhältnisse auf der Erde klar stellen.

      "Eines habe ich aus meiner bisherigen Imkerpraxis mit der Bienenkiste gelernt: Es reicht nicht aus, sich eine Bienenkiste anzuschaffen und mit Bienen anzufangen. Je weniger wir ins Volk schauen können, um so mehr müssen wir uns theoretische Kenntnisse aneignen. Nur so können wir die erforderlichen Rückschlüsse ziehen, was notwendigerweise bei aufkommenden Problemen zu tun ist."

      Damit stellst Du Dich aber auf die Stufe der Massentierhaltung. Nach Möglichkeit die Evolution ausschalten und in die Natur reinpfuschen. Dann frage ich mich aber, wie diese Sicht mit der Meinung zusammenpasst, dass man keinen Zucker zum Auffüttern nutzen soll, denn das ist aufgrund der veränderten Umweltbedingungen leider schlichtweg unvermeitlich geworden.

      "Meine Erfahrung zeigt, dass diejenigen, die nur eine Bienenkiste anschaffen und halten möchten, es um ein Vielfaches schwieriger haben, als diejenigen mit zwei oder drei Kisten."
      Das mag sein und viele würden auch gerne mehr als eine Kiste haben. Aber, wenn ich noch überhaupt nicht weiß, ob das mir wirklich so Spaß bereitet, wie ich es in der Theorie nach Lesen des Buches gedacht habe, dann investiere ich doch nicht gleich doppelt, nur um dann zu sehen, dass es doch "falsch" war. Man steigt immer sinnvollerweise mit einer Kiste ein und kann dann erweitern. Und wenn im ersten Winter etwas schief geht, dann muss man es leider auf die Evolution schieben oder eben den Fehler bei sich selber suchen, weil man sich eben nicht an die Anleitung gehalten hat.
      Okay, dass soll für heute reichen.
      Gruß!

      Ulrich

      • Hallo
        Mit dieser ungewöhnlich langen Einführung ins Thema möchte ich einen Teil meiner Gedankenwelt um meine Bienenhaltung mit der Bienenkiste wiedergeben und aufzeigen


        Das finde ich super.Sehr freundlich - auch "mutig" smiley usw...

        Bin mal so "frei" und starte mit einer Frage..
        Wie unsere Bienenkiste, die verschwunden, wiederentdeckt und gar von der heutigen Imkerschaft erstaunlicherweise als etwas Neues wahrgenommen wird.
        Ist es nicht auch mit der Einraumbeute von Mellifera der selbe Fall?-Georges de Layens 1863- Bitte erschlagt mich nicht falls ich mich tauesche-frage nur ohne irgendwelche "negativen Hintergedanken"(weiss mich nicht so recht auszudruecken)..

        Nicht nur die Bienenkiste selbst entspricht so gar nicht einer modernen Imkerei, sondern auch die Bienenhaltung in ihr selbst.
        Sicher . Zurueck zu den Anfaengen soll wohl die Parole heissen!?

        Naturschwaereme
        In der Mellifera Zeitung Ausgabe 28 ist ein Herr Goran Mirjanić erwaehnt worden. Da musste ich dann natuerlich mehr wissen und bin unter anderem auf ein "Handbuch fuer Imker" gestossen( nebenbei erwaehnt ein von der EU finanziertes Projekt): In diesem schreibt er (uebersetzt) : "Das Schwaermen lassen ,das natuerliche(-wesensgemaese-) Aufziehen von neuen Koenniginen und aehnliche Vorgehensweisen werden als primitives imkern angesehen, als Handlungsart vergangener Zeiten."

        Diese Tatsache spiegelt sich auch in der modernen Imkerliteratur wieder. Über Problembehandlung findet der Neuimker dort so gut wie gar nichts

        Wenn mann sich genug Wissen -aus neuer Literatur und praktischer Arbeit- angeeignet hat- helfen die alten Buecher(hier und da muss mann dann schon "zwischen den Zeilen lesen") doch sehr. Das "gemeckere" dahingehend kann ich nicht verstehen. Studiere immer mal wieder die alten "Schinken" und das gerne trotz Sprach/Verstandnisproblemen ...

        Ich möchte jeden Imkerneuling ermuntern, sich mindestens zwei, besser noch drei Völker anzuschaffen und sich eines davon als Anschauungsobjekt herauszupicken. Das Volk zu öffnen, wann und so oft es ihm beliebt und es dabei zu untersuchen.

        Bin doch sehr froh das ich das Geld, Zeit und den Platz fuer eine zweite Bienenkiste hatte. Eine dritte ist fast fertig und wird hoffentlich auch dieses Jahr besiedelt. Nach der Drohnnenbrutgeschichte in BK1 waere ich doch sehr enttaeuscht gewesen ohne Bienen in einer Bienenkiste in den Fruehling zu starten .
        Als "Anschaungsobjekt" eignen sich andere Beutearten wohl eher . werde meinen persoehnlichen Drang nach "Untersuchungen", wenn er denn mal wieder aufflammt, bei einem befreundeten Maganzinimker stillen(und dann auch nur wenn er sowieso oeffnen muss)- das Beste dabei ist :da kann mann als Anfaenger auch nichts falsch/kapput machen...

        fuers erste beste gruesse
        massel

          " An Stelle der kostspieligen, zum Sport ausgearteten Kunstimkerei hat eine naturverbundene, einfache Erfolgsimkerei zu treten."
          Siedlern und Bauern als berufene Bienenzuechter muss es moeglich gemacht werden, mit einer leicht selbst herstellbaren einfachen Bienenwohnung, ohne besonderen Aufwand an Material, Fachkenntnisse, Geld und Arbeit, ohne Maschinen und Geraete, ohne Zuckerverbrauch und Kunstwaben, auf rein naturgemaesse Art, erfolgreich zu imkern.

        • WOW!!!

          Echt starke Beiträge.
          Die darin enthaltenen Informationen müssen erst einmal verarbeitet werden.

          Kleine Info noch aus der Geschichte:
          Anton Janša, * 20. Mai 1734 in Bresniza, † 13. September 1773 in Wien
          Er war der Erfinder/Konstrukteur des Krainer Bauernstocks --- ja, so alt
          ist sie schon, unsere gute Bienenkiste.

          Mir liegt mit diesem Thema noch was auf dem Herzen. Ich möchte nicht, dass
          der Bieneninteressierte mit der Bienenkiste und EMK`s Buch sozusagen
          "Die Katze im Sack" kauft. Nach dem Motto. Bienenhaltung ganz einfach, mehr dazu braucht`s nicht. Und für den Rest habe ich ja das Forum.
          Das kann böse ins Auge gehen und am Ende steht der Neuling betrübt vor einem Scherbenhaufen, ähnlich wie Ulrich das oben angedeutet hat:
          totes Volk, Freude erloschen, leere Kiste, Fehlinvestition.
          Wer mit der Bienenkiste imkern möchte, muss das auch richtig anpacken:
          Dies setzt neben dem Interesse an Bienen ein gewisses Maß von Wissen und Praxis voraus, damit das Vorhaben gelingen kann.

          Dazu ein kleines Beispiel aus meiner Imkerpraxis.
          Im vorletzten Herbst meldete sich bei mir ein junger Mann und fragte nach einem Schwarm. Seine Frau und er würden gerne mit der Bienenkiste anfangen. Einen Standort im Garten sei schon ausgemacht.
          Ich konnte ihm, da er frühzeitig mit mir Kontakt aufgenommen hatte, einen
          Schwarm zusagen. Im Frühling vergangenen Jahres besuchten mich beide auf
          meinem Stand. Sie waren von den Bienenkisten begeistert. Der junge Mann sagte, er würde die Bienenkiste selber bauen. Soweit so gut.
          Als sein Schwarm anfiel, ging es mit der Fragerei los und ich merkte seine
          Nervosität. Ich erklärte ihm genau, was er machen muss und einer Rückmeldung zufolge hatte mit dem Einlaufen lassen dann auch alles geklappt. Der Schwarm entwickelte sich prächtig, der Brutraum war rasend
          schnell komplett ausgebaut und Ende Juli war auch der Honigraum gefüllt. Wieder zog mich der junge Mann zu Rate, wie er denn nun den
          Honig aus der Kiste bekomme. Er habe zwar alles darüber im Bienenkistenbuch
          gelesen, könne es dennoch nicht wirklich nachvollziehen. Geduldig erklärte ich ihm die einzelnen Arbeitsschritte.
          Dann schoben seine Frau und er die Honigernte hinaus, erst um eine Woche,
          dann um zwei Wochen und schließlich in der dritten Woche fasste sich die
          Jungimkerin Mut und ging dick vermummt und verschleiert zur Bienenkiste.
          Sie versuchte die Kiste aufzurichten, packte es aber nicht alleine. Sie
          rief ihren Mann hinzu und beide schoben sie die Kiste erst von ihrem komplizierten Ständer und stellten sie schräg auf. Es gelang ihnen mit
          Mühe, den Deckel - - - zum ersten Mal!!! - - - von der Kiste abzunehmen.
          Dabei erschraken sie so sehr vor den herausquellenden Bienen, dass sie alles fallen ließen und erst mal ein Stück weit weg rannten. Nach ein paar Minuten begaben sie sich wieder zur Bienenkiste und beim Versuch, den mittlerweile verschoben aufliegenden Kistenboden ganz abzunehmen bekam die junge Frau ihren ersten STICH. Panik brach unter den beiden aus, was weitere Stiche zur Folge hatte. Schließlich hatte ein jeder von ihnen sich mehrere Dutzend Stiche eingefangen (auch unter dem Schleier) woraufhin die junge Frau vom Notazt auf die Intensivstation eingeliefert wurde und der junge Mann nach ärztlicher Behandlung, sich selbst im Spiegel nicht mehr wiedererkennend, nach Hause gehen durfte.

          Danach erreichte mich ihr Anruf, ob ich den Schwarm, am besten die ganze
          Kiste, nicht zurückhaben wolle. Sie stehe seit Tagen wie am Vorfallstage
          mit geöffnetem Boden dar. Ich fuhr daraufhin zu dem Pärchen hin, erfuhr
          die ganze Geschichte und beide sagten fest entschlossen, dass sie mit
          Bienen nichts mehr zu tun haben wollen. Diese Bienen seien so aggressiv und mit meinen Bienen gar nicht zu vergleichen. Ich ging daraufhin zum
          Volk, schloss in aller Ruhe den Kistenboden und stellte die Kiste auf ihren
          Platz zurück. Die Bienen blieben handzahm.


          Was haben die beiden nur fasch gemacht?


          gruss bf [Hinweis: bienenflug hat den Beitrag zuletzt am vor 4 Jahren, 3 Monaten geändert.]
            Abyssus abyssum invocat
          • Hallo

            Bienenhaltung ist doch einfach...laut YouTube und andere Medien - jeder kann imkern....

            Als wir anfingen uns für Bienen zu interessieren wurde Bienenkiste und Warre von unseren Imker aus unserer Nähe verdammt...sprich: ist für Anfänger nicht geeignet

            Die Beute sollte doch so einfach wie möglich sein, sonst ist doch jeder Anfänger gleich überfordert, dabei ist es doch egal, wann die Beuteform erfunden wurde und Sie soll Ihre "Funktion" erfüllen und die Bienen sollen sich wohlfühlen.

            Ich finde die Biki für Anfänger gut geeignet, aber man sollte einen Paten dabeihaben der selbst eine Bienenkiste besitzt.

            Mein Sohn fing mit zwei Warre`s an und ich folgte ein Jahr später mit der Bienenkiste



            Auch ich wurde schon von einer Wächterin an dem Flugloch begrüßt und wurde Verfolgt - dannach fragte ich mich auch - was habe ich falschgemacht

            Angst habe ich keine - aber Resekt vor den Mädels -

            Viele Grüße
            Drohn

            • Hallo Ulrich,
              ich möchte folgendes Deiner Argumentation aufgreifen und dazu aus meiner
              Sichtweise Stellung beziehen:
              Warum muss man bei lebenden Wesen immer hineinschauen müssen. Heute interessiert sich (leider) kein Schwein mehr, wie ein Computer funktioniert und wie er innen drin ausschaut. Auch durch die Kenntnis könnte man eine Menge lernen. Aber bei Bienen muss man plötzlich sehen, wie Stifte und Maden und Puppen aussehen. Warum? Wieso kann man die Bienenkiste nicht auch einfach als "Black-box" betrachten und sich einfach an die Anleitung halten.

              Warum man in den lebenden Bien hineingucken muss, im Gegensatz zum Computer liegt doch daran, dass man beim Computer davon ausgeht, dass
              er richtig funktioniert und wenn nicht, nimmt man halt die Garantie in
              Anspruch oder gibt ihn in die Werkstatt. Danach funktioniert alles wie
              zuvor.
              Das ist beim lebenden Bienenvolk nicht so. Kaufst du dir einen Schwarm,
              dann kann dir niemand die Garantie geben, dass mit ihm (ihr, der Königin)
              alles in Ordnung ist. Und wenn nicht, dann fragst du, wenn du kannst,
              einen Imker, oder hoffst hier im Forum eine Problemlösung zu bekommen,
              die dir bzw. deinem Volk weiterhilft. Wenn aber alle Bienenkistenimker
              das so machen würden, wie du es von ihnen erwartest, und sich Zitat:
              maximal die Kombination von EMK's-Anleitung und den Stroch'chen Fluglochbeobachtungen
              beschränken, dann wirst du kaum eine Hilfe erwarten können. Fluglochbeobachtungen sind was für Kenner und nicht für Unkundige. Es ist
              genau anders herum. Nur derjenige, der durch Gucken und Probieren genügend Kenntnis vom Innenleben des Bienenvolkes erlangt hat, kann sich irgendwann
              das Hineingucken weitestgehend ersparen und durch einen Blick aufs Flugloch alle nötigen Informationen erlangen, was er über das Volk zu wissen wünscht.
              Wenn du z. B. Dein Wissen erweitern möchtest, dann reicht EMK`s Buch nicht aus und Fluglochbeobachtungen helfen Dir nicht wirklich, verwirren nur und tun den Anfänger häufig nur verunsichern. Du musst anfangen zu lesen, zu studieren, zu probieren. Nur so erlernst du, was
              gut für deine Völker ist und schärfst Dein Selbsturteil, gewinnst Selbstsicherheit und kannst möglicherweise jemand anderem eine Hilfe sein.

              Deshalb werde ich demnächst was neues ausprobieren und habe vor, die von
              mir gedanklich bereits konstruierte aufrecht stehende Bienenkiste in die
              Tat umzusetzen und auszuprobieren. Ich hoffe, mit dieser Beute neues lernen, altes ausprobieren und meine einfache Bienenhaltung optimieren zu können. Deshalb sehe ich Zitat:
              Man muss sich bei einer Haltungsform auf genau diese eine beschränken und kann nicht "irgendwas von Beute A" und "irgendwas von Beute B" nehmen und es dann auch noch erfolgreich auf Beute C übertragen und anwenden. Ich denke, die Systeme sind jeweils nur individuell zu betrachten.
              deine Gegenargumente ganz gelassen. Ich bin gespannt, ob die von mir etwas
              anders vorgesehene, zugegebenermaßen aus Elementen mehrerer Beuteformen
              zusammengesetzte aufrechte Bienenkiste die für die Bienen erhofften Vorteile mit sich bringt oder nicht.
              In meiner Vorstellung wird die aufrecht stehende Bienenkiste noch wesensgemäßere Elemente enthalten und noch restriktiver zu betreuen sein, als unsere jetzige Bikiste in Form der Lagerbeute.

              Ich bin regelrecht gespannt und freue mich auf dieses Vorhaben.
              Den Werdegang, den Bau der Kiste stelle ich ins Forum ein. Ich würde mich
              sehr freuen, wenn sich jemand finden könnte, der diese Kiste ebenfalls ausprobieren, an und mit ihr lernen und über seine Erfahrungen berichten
              möchte. Für mein "Experiment" erhebe ich ausdrücklich keinen Alleinanspruch.

              hier nochmal der Faden dazu: http://www.mellifera-netzwerk.de/forum/thread/?thread=3625&page=1

              gruss bf






              [Hinweis: bienenflug hat den Beitrag zuletzt am vor 4 Jahren, 3 Monaten geändert.]
                Abyssus abyssum invocat
              • War lange nicht in diesem Forum unterwegs
                Grund dafür war hauptsächlich das selbstgefällige Geschwafel von Bienenflug.
                Habe mich immer genau an die Vorgaben vom Bienenkistenbuch gehalten, habe nicht ständig an meinem Volk herumgewerkelt und es hat alles prima geklappt.

                Auch auf die Gefahr hin das in mir einen ordentlichen Rüffel einhandele :
                Gibt es eigentlich keine anderes Forum um seine Profilneurosen auszuleben
                Sicher gibt es auch Selbsthilfegruppen
                • hallo physio66

                  speziell für dich möchte ich Wolfram zitiern. Was er geschrieben hat
                  passt richtig gut hier zum Thema.
                  Ich will auf keinen Fall die BK schlecht machen oder reden.
                  Im Gegenteil. Ich/wir werbe mit der Kiste und habe auch schon mehrere Interessenten die damit anfangen wollen. Nur werde ich die Probleme darlegen, Lösungen erklären und meine Hilfe anbieten.
                  Den Traum von blühenden Wiesen, glücklichen Bienen, die mit kleinen Eimerchen den Blütensaft nach Hause tragen und den Imker nur aus der Ferne kennen und sich alles selbst regelt, wenn man den Bien nur zufrieden lässt, werde ich den angehenden Jungimker nicht einreden.
                  Warum auch. Ich will vielleicht Honigpressen verkaufen aber keine BK´s.

                  Den Leuten, die sich interessieren wird suggeriert, dass es sehr leicht ist in der BK Bienen zu halten. Das ist weder in der BK noch in irgendeinem anderem System so einfach. Es gehört da wesentlich mehr zu!


                  Dir möchte ich ganz dringend KPM`s Appell "ad hominem Angriffe auf die Person usw. gehören nicht hierher" ans Herz legen.

                  bf

                  [Hinweis: bienenflug hat den Beitrag zuletzt am vor 4 Jahren, 3 Monaten geändert.]
                    Abyssus abyssum invocat
                  • bienenflug schrieb am 16.03.2016, 10:01
                    Dir möchte ich ganz dringend KPM`s Appell "ad hominem Angriffe auf die Person usw. gehören nicht hierher" ans Herz legen.

                    Ich auch. Auch wenn es im Forum keine "Ignorieren"-Taste gibt, was das leichter machen würde, kann man beliebige Themen und Autoren auch einfach ignorieren. ;-)

                    -K
                      Kevin M. Pfeiffer - Berlin (Mitglied, Imkerverein Kreuzberg e.V.) - Imkerbuch - Stockwaage - Visitenkarte
                    • Mir fehlt leider die Zeit, den vielen Gedanken hier im Detail nachzugehen. Hier werden viele Dinge vermischt, die man getrennt diskutieren könnte. Ein paar eigene Gedanken möchte ich aber kurz beisteuern:

                      Bienenvölker als Ganze zu halten (und zu respektieren), statt als Baukasten, und die natürliche Entwicklung des Biens im Jahreslauf zu begleiten, ist die Grundidee der Bienenkiste. Und es ist überhaupt kein Problem, zu verstehen zu lernen, was gerade vor sich geht und - wenn es ein Problem gibt - wo die Ursache liegt, ohne ein Bienenvolk wie ein Chirug zu zerlegen.

                      Dazu braucht man aber Erfahrung und gute Lehrer. Niemand wird in - egal welcher - Disziplin als Meister geboren und die Teilnahme an einem konventionellen Imkerkurs muss keinesfalls automatisch bedeuten, dass jemand für die Aufgabe besser gewappnet ist, als jemand, der mit Buch, Website und Youtube-Videos und einem Schwarm beginnt und dann achtsam sein Bienenvolk begleitet.

                      Es gibt bzw. gab einen großen Mangel an Imkern mit Erfahrung in wesensgemäßen Betriebsweisen - also an potentiellen Lehrern. Das war mir klar, als ich das Konzept veröffentlicht hatte. Ich hatte damals auf die Imkervereine gehofft und gedacht, dass Anfänger dort zumindest ein Minimum an Unterstützung erhalten und Wissen vermittelt bekommen würden. Dass viele Imkervereine so radikal ablehnend sein würden und dass es dort so wenig Wissen über die Grundlagen (Naturwabenbau und Schwarmvermehrung) geben würde, hatte ich mir nicht vorstellen können. So standen die erste Generationen an Bienenkisten-Imkern ziemlich alleine da und mussten mehr oder weniger erfolgreich ins kalte Wasser springen. Wir haben versucht, das ganze nach Kräften zu unterstützen, durch Website, Forum, Schwarmbörse, Netzwerk, Seminare, Bienenkisten-Stammtische, 2 Bücher und jetzt zuletzt durch das Mellifera-Regionalgruppenkonzept. Es ist mir klar, dass das angesichts der Nachfrage kaum reicht. Aber ich hatte auch nicht geahnt, dass es eine so große Nachfrage geben würde.

                      "Die Bienenkiste" hat vieles in Bewegung gebracht und überall im deutschsprachigen Raum entstehen Initiativen, die Wege zu einer naturnäheren und wesensgemäßeren Bienenhaltung suchen. Gleichzeitig wird irgendwann der neue Imker-Boom zuende gehen und es wird eine Sättigung eintreten. Daher ist es nur eine Frage der Zeit, bis das wieder mehr ins Gleichgewicht kommt und es einfacher sein wird, gute Lehrer zu finden - sei es als Imkerpate/-lotse oder in einem Imkerkurs oder einer Fortbildung zu einem bestimmten Aspekt der Bienenhaltung.

                      Ich möchte Euch ermutigen, selbst einen Beitrag zu leisten und Bienenkisten-Stammtische oder Mellifera-Regionalgruppen durch regelmäßige Anwesenheit zu stärken, bzw. selbst zu gründen. Man muss dazu kein Profi sein. Wenn sich fünf blutige Anfänger zusammentuen, sind sie gemeinsam besser dran als alleine und sie haben die Möglichkeit zu vergleichen (Stichwort "mehrere Bienenkisten").

                      Übrigens: das Forum verzerrt das Bild total. Es liegt in der Natur der Sache, das Leute, die Probleme haben, sich eher im Forum anmelden und/oder posten, als Leute, bei denen alles verhältnismäßig reibungslos klappt. Und nach meinen Erfahrungen ist zweiteres beim größeren Teil der Bienenkisten-Imkerder Fall. Und viele haben auch Unterstützung gefunden, bzw. stützen sich gegenseitig.

                      Erhard
                      • Hallo zusammen
                        Das Forum lebt halt irgendwie genau entgegen dem Jahreszyklus der Bienen:
                        Ende Winter ist es immer etwas übertheoretisch, viele Wiederholungen und laaaange Texte, weil es temperaturmässig halt noch etwas harzt, mit dem Durchstarten...(Drum häng ich gleich noch ein paar Zeilen an, es ist saukalt draussen...)

                        Im Frühling freuen sich Die BK Herzen über den ersten Pollen und es gibt viele herzige Bilder und viele ausführliche Stockkarten.

                        Während dann die Schwarmfänger ausrücken und auch Abende und Wochenende nach akrobatischen Manövern und Adrenalinschüben Bier schlürfend und seelig beim Einlaufen zuschauen, gibt es zur gleichen Zeit 2 Arten von Einträgen:
                        Anfänger 1: Hilfe ich kriege keinen Schwarm!
                        Anfänger 2: Hilfe ich habe einen Schwarm, was nun?

                        Beim Honig, (und wir imkern ja alle nicht wegen des Honigs, mjamm, gier, schleck...) erfährt man dann zwischen den Zeilen doch oft beiläufig die Kiloangaben und versucht diese, mit dem allgem. Anglerlatein-Fischlänge Index herunterzurechnen, damit das eigene Ego keine bleibenden Schäden nimmt.

                        Und zur Sonnenwende treten dann die beiden Online-Crews
                        A: "Ich habe alles tiptop erledigt, wer etwas versäumt hat ist selber Schuld wenn alle Bienen sterben"
                        gegen
                        B: "wann muss ich eigentlich mit der Varroabehandlung beginnen, ist das überhaupt nötig?"
                        gegeneinander im Forum Battle an.

                        Soviel zum Unterhaltungswert.

                        Aber: Bei dringenden Problemen, hat mir das Forum bisher immer den Rücken gestärkt und ich kam v.a. als Anfängerin schnell an brauchbare Anleitungen und Vorschläge, die zur Lösung beitrugen. Danke allen nochmals dafür! (Doch noch eine Parallele zum Computer: je spezifischer das Problem, desto schneller findet man eine brauchbare Antwort).

                        Drum: Mit der BK konnten so viele v.a. jüngere Imker für die wesensgemässe Bienenhaltung begeistert werden, (auch dank der Schwarmbörse und dem Forum) das ist doch das coolste überhaupt.
                        Das wichtigste "Missionieren" in dieser Sache ist doch das weiterreichen von Schwärmen. Ich verkaufe meine Schwärme nicht mehr, dafür verpflichte ich Empfänger, nach ein paar Ego-Schwärmen (zum behalten) Schwärme an andere Einsteiger weiterzugeben. Das bringt mehr, als die ewige Überzeugungsarbeit.
                        Und dann natürlich den Kontakt und die Betreuung mit eben diesen Anfängern/Schwarmempfängern. (Siehe tragisch-komische Anfängerstory oben).
                        Liebe Grüsse Bindi
                        • Hallo Erhard

                          Dazu braucht man aber Erfahrung und gute Lehrer. Niemand wird in - egal welcher - Disziplin als Meister geboren und die Teilnahme an einem konventionellen Imkerkurs muss keinesfalls automatisch bedeuten, dass jemand für die Aufgabe besser gewappnet ist, als jemand, der mit Buch, Website und Youtube-Videos und einem Schwarm beginnt und dann achtsam sein Bienenvolk begleitet.

                          In früheren Zeiten gab es in der Imkerei die Wanderlehrer, die Anfängern aber auch bereits praktizierenden Imkern Wissen und Hilfen vermittelten. Das lag zum Teil daran, dass viele Menschen in der damaligen Zeit weder lesen noch schreiben und sich kein Buch leisten konnten.
                          Die Zeit der Wanderlehrer ist längst vorbei.

                          An deren Stelle sind heute die Autodidakten getreten, worauf auch das BK-Konzept basiert.

                          gruss bf
                            Abyssus abyssum invocat
                          • bienenflug schrieb am 20.03.2016, 00:39
                            An deren Stelle sind heute die Autodidakten getreten, worauf auch das BK-Konzept basiert.
                            Das Bienenkisten-Konzept bietet auch für Autodidakten gute Unterstützung. Manche Leute behaupten, es wäre die weltweit am besten für Anfänger dokumentierte Betriebsweise.

                            Ich halte aber dennoch mehr davon, "seinen Meister" zu finden. Heute hat sich die Wanderrichtung umgekehrt. I.d.R. ist es am erfolgversprechendsten, wenn man sich selbst in Bewegung setzt und z.B. das "Faschingsseminar" bei Mellifera oder einen Kurs im Ausbildungsverbund besucht, einen Bienenkisten-Stammtisch sucht oder gründet (oder seit neuestem eine Mellifera-Regionalgruppe). Es gibt so viele Möglichkeiten, sich fortzubilden und Unterstützung zu finden, wenn man sich ein wenig umschaut.
                            • Ja, da hast du Recht. Bei Mellifera (+Ausbildungsverbund) ist das Angebot wirklich sehr breit gefächert.

                              gruss bf
                                Abyssus abyssum invocat
                              • Die antiquarische Bienenkiste (Lagerbeute wie Krainer, Kärnter, Westfälische) wurde
                                von Jakob Ernst von Reider nach älteren und neuesten Erfahrungen im Jahre 1825
                                teilweise kritisch betrachet aber auch sehr gelobt. Hier ein Ausschnitt:

                                Darüber hinaus hat er das Einlogieren bereits damals anschaulich beschrieben.
                                Fast könnte man meinen, er hätte aus EMK`s Anleitung abgeschrieben - wenn es
                                denn nicht umgekehrt wäre.?

                                Schwarm in aufgerichtete Bk einschütten

                                BK vorne höher stellen

                                oder alternativ vorne zum Flugloch einlaufen lassen


                                Zum Nachdenken regt insbesondere seine Aussage an:
                                Keine Art der Bienenhaltung erfordert soviel Sachkenntnis als diese (die Lagerbeute -
                                sprich Bienenkiste)!

                                gruß
                                bf
                                  Abyssus abyssum invocat